Identities hidden. Revealed when the Bern police doxxes Palestine demonstrators.
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Die Berner Kantonspolizei hat angekündigt, eine öffentliche Fahndung durchzuführen. Gesucht werden Demonstrant:innen. Gesucht, aufgrund ihrer mutmasslichen Teilhabe an den Sachschäden, die am Rande der Palästina-Demonstration vom 11.10.2025 in Bern entstanden. 101 Personen wurden bereits identifiziert, nach knapp über dreissig wird noch gesucht. Die Polizei greift nun zu einem drastischen Mittel (drastisch und verfassungswidrig): Bilder der Gesuchten werden veröffentlicht. Da selbst die Polizei offenbar immer noch so tut, als ginge es ihr um mehr als Schikane, soll diese Veröffentlichung in zwei Schritten geschehen. Zunächst werden verpixelte Bilder hochgeladen: Damit erhalten die Gesuchten die Chance sich selbst zu stellen. Sollten sie das nicht tun, kommen die Klarbilder.
Worum geht es hier? Sind das gemeingefährlichen Subjekte? Tropft Blut von den Händen dieser Menschen? Sind sie einer Haftstrafe entflohen? Natürlich nicht. Es geht um etwa 600'000 Franken Sachschaden. Eingeschlagene Fensterscheiben, besprayte Fassaden. Nicht sehr nett, kann man da sagen. Auch nicht sehr nett war der Kessel, den die Polizei am 11ten Oktober schon um fünf Uhr nachmittags aufbaute. Es war Herbst, die Temperaturen fielen auf unter zehn Grad und die Demonstrierenden wurden ohne Wasser, ohne Nahrung, ohne Decken und ohne Informationen für zwölf Stunden festgehalten. Über 500 von ihnen. Kollektiv bestraft, nicht für Sachschaden, sondern für Teilhabe an einer Demonstration. Das Verfassungswidrige Vorgehen der Berner Kantonspolizei darf also nicht überraschen, sie schrecken ja auch nicht vor Verletzungen der Genfer Konventionen zurück.
Über den Kessel wurde nicht berichtet. Der Sachschaden wurde lang und breit beklagt (wobei es selten Erwähnung fand, dass diese vornehmlich an Firmen entstanden, die vom Genozid in Gaza profitieren. An Fassaden von Firmen, deren Geldmengen nur von den Leichen in ihren Kellern übertroffen werden). Der Grund hingegen, weshalb die Demonstration überhaupt stattfand, wieso über 5'000 Personen auf die Strasse gingen, der wird weggelassen.
Seit dem Beginn des Genozids an der Palästinensischen Bevölkerung wurden 75'000 Personen ermordet. Ihre Häuser ausgelöscht. Städte dem Erdboden gleichgemacht. Hunger erschaffen. Hunger erhalten. Gefängnisse gefüllt. Gedemütigt. Gefoltert. Vergewaltigt. 75'000 Menschen. ermordet, ausgelöscht, vertilgt, geschlachtet.
Deshalb gab es diese Demonstration. Deshalb gab es sie und deshalb finden sie immer noch statt. Diese Pro-Palästina Demonstrationen. Wobei diese Bezeichnung kurzgreift.
Am 11.10.2025 wurde sich Öffentlich geweigert einen Genozid hinzunehmen. Wir weigern uns so zu tun, als wäre es normal, als müsse man damit halt leben, als waren die Machtstrukturen, die diesen Genozid durchführen akzeptabel. Als würde die Schweiz ihren Reichtum aus sauberen Quellen schöpfen. Das als «Pro-Palästina» zu bezeichnen ist eine jämmerliche Verneinung der Realität. Nur um sich die Peinlichkeit zu ersparen Anti-Genozidal auszusprechen. Würde man das tun müsste man auch 75'000 Tote anerkennen. Die eigene Gleichgültigkeit akzeptieren. Einsehen, dass der stabile, sichere, saubere, international anziehende Wirtschaftsstandort Schweiz einfach wichtiger ist als ein Menschenleben. Wichtiger als das Hochheben der eigenen Werte.
Das Vorgehen der Polizei letztes Jahr, wie auch jenes momentan, ist Verfassungswidrig, verstösst gegen Genfer Konventionen und entspricht eher dem Verhalten irgendwelcher autoritärer Schlägertruppen als der Exekutive eines gesunden Staates. Sollte unsere Polizei nicht unseren Gesetzen folgen? Sollte unser Staat nicht dem Völkerrecht gehorchen? Gut, wenn sie das nicht können – nicht wollen – wäre es wohl an uns für die Menschenrechte aller einzustehen. Laut zu sein, zu rufen: Niemand ist frei, bis wir es alle sind! Das sollten wir unbesorgt können, in einem freien Land, in einer stabilen Demokratie, einem funktionierenden Rechtsstaat.
Wir schauen gerade dabei zu, wie sich das auflöst.
Ein Staat kann uns keine Rechte geben. Die Rechte gehören uns schon, aus dem Grund das wir am Leben sind. Menschenrechte sind die Rechte aller Menschen, da sie Menschen sind. Der Staat tritt nur dann in Erscheinung, wenn er sie beschneidet. Bestenfalls, wenn er sie beschützt. Das ist es, was die Schweiz, unser Staat, uns verspricht und das ist die Lüge die bröckelt. Am 11.10, diese Woche, seit 895 Tagen. Als freie Menschen (die ihr Zusammenleben nun mal irgendwie regeln müssen) ist es unsere Aufgabe unsere Pflichten wahrzunehmen und unsere Rechte zu verteidigen. Eifersüchtig unsere Mächtigen überwachen, denn Macht verschlingt, was nicht geschützt ist. Wir müssen unsere Gesellschaft pflegen, wir müssen unsere Werte pflegen, unsere Freiheit pflegen. Das ist es was die Demonstrierenden am 11.10 taten. Man kann die Sachschäden auch zu Verbrechen gegen die Demokratie hochstilisieren, wenn einem das unbedingt nötig erscheint, doch es ändert nichts daran, dass jede Anti-Genozidale Demonstration mehr tut für den Erhalt unserer Gesellschaft, als all diese Firmen zusammen.
Was wir gerade beobachten ist die schrittweise Untergrabung davon was wir sind. Es beginnt durch die totale Entmenschlichung Dritter, anderer, solcher die weit weg leben. Es beginnt mit dem ignorieren von 75'000 Morden. Es geht weiter mit der verfassungswidrigen Behandlung der eigenen Bevölkerung. Zunächst nur die, die sich durch politische Teilhabe schuldig gemacht haben. Bald schon werden alle, die sich zwischen dem, dass die Schweiz vorgibt zu sein und dem, was sie für alle spürbar tatsächlich ist, nicht mehr zurechtfinden zu Opfern gemacht. Bald schon wird das Gefühl von Entfremdung Grund genug sein zu entrechten.
Aber, keine Sorge, solang Sie Ihre Steuern zahlen, ihren Kopf unten behalten, Partizipation einer exklusiven politischen Klasse zutrauen, und nie, nie, niemals, nie ihr Herz öffnen, werden Sie schon in Ruhe gelassen werden. Wollen Sie in dieser Welt leben? Wollen Sie alles was ein Mensch bedeutet, aufgeben um in Ruhe Ihre Steuern zahlen zu dürfen?
Am 11.10 wurden in Bern einmal mehr unsere Freiheit exekutiert. Still und leise, mit Akklimatisation, damit es nur niemanden schockiert. Es geschieht unentwegt. Es hört erst auf, wenn wir uns zusammenschliessen und unser Zusammenleben schützen. Das Zusammenleben zwischen Ihnen und Mir. Wenn wir sehen, dass das so unendlich viel wertvoller ist als das Zusammenleben des Staats und der Grossfirmen. Lassen wir uns nicht blenden. Erkennen wir, wie sie ihre eigenen Lügen jeden Tag strafen. In Gaza, im Libanon, im Iran, im Sudan, in Syrien, im Kongo, am Paradeplatz.
Weigern wir uns mitzumachen. Niemand ist frei, bis wir es alle sind.